Wal- und Wuesteberg

Worum geht es beim Gesteinsabbau

Die Firma Schaumburger Steinbrüche GmbH & Co. KG aus Rinteln (Niedersachsen) hat vom Treuhandnachfolger BVS das Bergwerkseigentum bzw. die Option darauf für das Gebiet von Wal- und Wüsteberg erworben. Für dieses Gebiet gilt noch das Bergrecht der DDR, d.h. alles, was sich 50 cm unter dem Boden befindet, gehört dem Staat. Die Firma möchte zuerst auf einer Fläche von 20 ha im Sattel zwischen den beiden Bergen bis zu einer Tiefe von 70 Metern Grauwacke abbauen. Später soll dann der Steinbruch auf bis zu 165 ha erweitert werden- die gesamte Bergkuppe würde verschwinden. Auf Bischheimer Seite sollen dauerhaft Halden entstehen. Die Vorräte werden mit 374 Mio. Tonnen angegeben.

Grauwacke ist ein vor 1 Mrd. Jahren in einem Meer entstandener Sandstein (eines der ältesten Gesteine Deutschlands). Durch aufliegende Sedimentgesteine und verschiedene Gebirgsbildungen in diesen langen Zeiträumen wurde sie so verfestigt (mettamorph überprägt), das sie in Dichte und Härte dem Granit vergleichbar ist und sich gut als Schotter- oder Splittmaterial eignet. Alle Verantwortlichen im Kreis und den umliegenden Gemeinden, der Kreistag (einstimmig!), die Parteien, die Kirchen und verschiedenste Vereine haben sich gegen diesen Abbau ausgesprochen. Schon seit längerer Zeit hat die Firma Probebohrungen beantragt, die von den Bergämtern genehmigt wurden, aber durch den Widerstand von Grundeigentümern bisher verhindert wurden.

Durch Ausnutzung aller juristischen Möglichkeiten und durch einen umfassenden Protest der Bevölkerung muss der Abbau verhindert werden.

Warum sind wir dagegen ?

1. Zerstörung unserer Heimat
Dieser Abbau bedeutet eine Zerstörung des Landschaftsbildes. Der markante und weithin sichtbare Höhenzug Hofeberg- Wüsteberg- Walberg würde beseitigt. Das Gebiet ist ein wichtiger Erholungsraum und Wandergebiet und befindet sich im LSG „Westlausitz“. Einem Abbau steht entgegen, dass das Gebiet zugleich laut Regionalplan Oberlausitz/ Niederschlesien ein Vorranggebiet für Natur und Landschaft ist.

2. Belastung der Bevölkerung durch Lärm und Staub
Die Bevölkerung von Bischheim- Häslich, von Gelenau und Lückersdorf , später auch von Schwosdorf wäre durch den Großsteinbruch ( mit Sprengungen?), durch Brecher und den Abtransport belastetet. Die geplanten Abbaumengen würden bei einem Abtransport über die Straße eine zusätzliche Belastung mit 150 LKW- Fahrten in Richtung der Autobahnen (über Kamenz, Königsbrück oder Pulsnitz) bedeuten. Die Alternative -Transportbänder + Eisenbahn - würde zu einem hohem Landschaftsverbrauch führen. Ein überwiegender Bahntransport ist unwahrscheinlich (siehe Transportentscheidung RAVON gegen Schiene).

3. Überbelastung des Landkreises Kamenz
Sachsen führt in der Bundesrepublik beim Gesteinsabbau bezogen auf die Abbaumenge und Fläche. Pro Hektar wird ca. das Zwanzigfache wie in Bayern und Baden – Württemberg gefördert. Innerhalb Sachsens steht der Landkreis Kamenz bei der Abbaufläche an der 2. Stelle. Im Kreis befinden sich neben den Hinterlassenschaften des Braunkohlebergbaus im Norden, die großen Kies- und Sandtagebaue bei Ottendorf- Okrilla bis Laußnitz, die Kaolin- und Tonabbaugebiete von Wiesa und Cunnersdorf, der Granit-/ Granodioritsteinbruch von Kindisch, der Grauwackesteinbruch von Oßling/ Lieske. Es bestehen viele weitere kleinere Steinbrüche und Gruben. Daneben sind zahlreiche Gebiete als Vorrang- oder Vorbehaltsgebiete für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe vorgesehen, z.B. Deutschbaselitz- Piskowitz (Kaolin), Schwepnitz – Gotschdorf, Bulleritz, Skaska (Sand, Kies), Bernbruch, Königsbrück, Biehla (Grauwacke), Gräfenhain, Nebelschütz (Granodiorit).
Was bleibt von unserer Heimat übrig ?

4. Keine volkswirtschaftliche Notwendigkeit
Aus unserem Kreis werden weit entfernte Gebiete versorgt, teilweise werden die Gesteine sogar exportiert. Die vorhandenen Steinbrüche sind zur Zeit bei weitem nicht ausgelastet, die Erlöse sind gering. Arbeitsplätze entstehen bei solchen Steinbrüchen nur sehr wenige.

5. Irreparable Schäden für Grundwasser und Lokalklima
Das Gebiet ist Grundwassereinzugsgebiet für Bischheim- Häslich und Schwosdorf. Der Abbau würde zu Störungen des Wasserhaushaltes führen. Die Hügelkette wirkt bisher als Barriere zur Hauptwindrichtung, an der sich die Wetterfronten abregnen. Der Steinbruch würde zu einer Düsenwirkung und damit zu mehr Wetterextrema wie Starkregen, daneben zu Winderosion und Austrocknung führen. Das milde Klima am Hutberg, welches Azaleen und Rhododendren begünstigt, wäre gefährdet.

6. Zerstörung einer geologischen Besonderheit
Der ganze Höhenrücken besteht aus einem der ältesten Gesteine Deutschlands. Auf dem Hofeberg (Flächennaturdenkmal) und dem Wüsteberg (Naturdenkmal) befinden sich Grauwackekompressionsklippen. Die Gletscherbewegungen im Pleistozän (Eiszeitalter) führten zu den Böschungsneigungen von teilweise über 25 Grad.

7. Unterbrechung eines großräumigen Biotopverbundes
Die Hügelkette ist Teil eines großräumigen Biotopverbundes, der von Böhmen über die Oberlausitz bzw. die Sächsische Schweiz und das Hochsteingebiet bis zur Königsbrücker Heide und den großen Waldgebieten Brandenburgs reicht. Solch große, zusammenhängende Vernetzungsgebiete gibt es nur noch wenige in Deutschland. Sie sind überlebensnotwendig für eine Reihe Tierarten.

8. Erhalt des Waldes
Der Erhalt der Wälder ist für das Klima, die Luftqualität, den Wasserhaushalt und für die Erholung von enormer Bedeutung. Allein in unserem Kreis stehen einige tausend Hektar Wald zur Disposition. Der Boden ist in seinem natürlichen Zustand erhalten geblieben, der sich in den Jahrtausenden nach der Eiszeit herausgebildet hat. Das Gebiet ist deshalb jederzeit in einen naturnäheren Zustand (Fichten- Buchen- Mischwald) rückführbar.

9. Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten
In der unmittelbaren Umgebung des geplanten Abbaufeldes befinden sich geschützte Biotope, wie Moorbildungen (mit Sonnentau), extensiv genutzte Fischteiche mit Röhrichtzonen, Quellfluren, kleinere Feuchtgebiete, Höhlenbäume und Altholzinseln. Im Gebiet brüten vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie Schwarzspecht und Rauhfußkauz. Verschiedene Kröten und Frösche aus der „Roten Liste Sachsen“ laichen in umliegenden Gewässern. Der Fischotter wechselt im näheren Umfeld.

10. Kulturgeschichte - Verlauf der Hohen Straße/ Via regia
Durch das Gebiet verlief schon seit der Bronzezeit der Haupthandelsweg von West- nach Osteuropa. Im Mittelalter wurde der Höhenweg besonders während der Schneeschmelze
genutzt, als Route der Hohen Straße/ Via Regia von Paris über Leipzig nach Kiew. Es gab schon archäologische Funde.

Gegen den Gesteinsabbau an Wal- und Wüsteberg!